Digitale Station

Wolfgang Heimbach

Ein Barockmaler aus Ovelgönne. Gehörlos, weitgereist und lange vergessen. Er malte für Fürsten, Könige und einen Papst.

Von seinen Gemälden besitzen wir keine Originale. Deshalb zeigen wir, was von ihm bleibt: seine Spur.

Der Maler

Wer war Wolfgang Heimbach?

Er gilt als einer der bedeutendsten norddeutschen Maler des 17. Jahrhunderts. Über sein Leben ist wenig bekannt, und sein Werk geriet lange in Vergessenheit. Hier ist, was wir sicher wissen.

Lebenslinierund 66 Jahre

Dreißigjähriger Krieg, 1618 bis 1648

  1. 1613Geburtin Ovelgönne
  2. ca. 1630AusbildungNiederlande
  3. ab 1644ItalienNeapel, Rom
  4. 1652Rückkehrnach Oldenburg
  5. ca. 1653Dänemarkam Hof
  6. ab 1670Hof von Galenin Münster
  7. 1679Beisetzungin Osnabrück
„gar nachdenklich und merksam“
So beschreibt ihn 1671 der Hofchronist Johann Just Winckelmann.
Herkunft

Geboren in Ovelgönne

Sein Vater war Frucht- und Kornschreiber am Oldenburger Hof. Sein Weg beginnt in dem Ort, in dem heute unser Museum steht.

Besonderheit

Gehörlos

Der Hofchronist Winckelmann nennt ihn 1671 „von Natur stumm und taub“. Heimbach konnte lesen und schreiben. Drei Briefe an den Fürsten Ottavio Piccolomini, 1651 und 1652, verfasste er auf Italienisch, Latein und Deutsch. Er arbeitete für höchste Auftraggeber.

Förderung

Vom Grafen gefördert

Graf Anton Günther von Oldenburg förderte ihn. Vermutlich bildete er sich in den frühen 1630er Jahren in den Niederlanden weiter.

Lebensspur

Von Ovelgönne in die Welt

Alles beginnt in Ovelgönne. Von hier aus malt sich ein Weg durch Europa, und immer wieder führt er zurück in die Heimat. Scrolle, und eine goldene Linie zeichnet Heimbachs Stationen nach. Die Ringe zeigen die Luftlinie ab Ovelgönne.

um 1613Geburt in Ovelgönne
0 kmLuftlinie von Ovelgönne bis Neapel
1652Rückkehr in die Heimat
01um 1613

Ovelgönne

Hier wird Wolfgang Heimbach vermutlich geboren, in einem Ort mit herrschaftlichem Vorwerk, Gestüt und Schloss. Hier beginnt jede Spur, und hier steht heute unser Museum.

Zeit
frühestens 1613, wahrscheinlich bis etwa 1615
Familie
Vater Wolff Heimbach, Frucht- und Kornschreiber des Grafen; mindestens vier jüngere Geschwister
Bedeutung
Geburtsort und Ausgangspunkt aller Wege
02frühe 1630er

Niederlande

Gefördert von Graf Anton Günther wird Heimbach zum Maler ausgebildet und geht vermutlich zur Weiterbildung in die Niederlande. Wo genau, ist nicht belegt. Spätestens 1636 ist er zurück in Ovelgönne und malt Bildnisse für Bremer Bürger.

Zeit
vermutlich in den frühen 1630er Jahren
Förderer
Graf Anton Günther von Oldenburg
Spuren
Kopien nach Pieter Codde und Willem Duyster, vermutlich Amsterdam
Danach
1636 Bildnisse in Bremen, darunter das Ehepaar Graevaeus
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
031644 bis 1647 belegt

Italien

Um 1640 bricht Heimbach in den Süden auf. Über Wien, wo vermutlich das „Nächtliche Bankett“ und ein Bildnis von Erzherzog Leopold Wilhelm entstehen, führt der Weg nach Italien. Heimbach arbeitet in Neapel, Rom und Florenz, malt Papst Innozenz X. und wechselt zum katholischen Glauben.

Spuren
Neapel (zwei Gemälde von 1644 zeigen die Kartause San Martino), Rom 1645 und 1646, Florenz ab Herbst 1646
Unterwegs
Wien, vermutlich bis 1642
Auftraggeber
Papst Innozenz X., Medici in Florenz, Fürst Piccolomini
Stil
Caravaggismus, nächtliche Szenen in kleinem Format
Aufenthalt
frühestens ab 1642, spätestens bis 1651
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
041652

Oldenburg

Nach Jahren in der Ferne ist Heimbach spätestens im Februar 1652 wieder zu Hause, zunächst beim Vater in Ovelgönne. Die Rückreise führte über Böhmen und Prag, vermutlich auch über Nürnberg und Brüssel. Am Oldenburger Hof erhält er einen Vertrag auf Probe.

Zeit
Frühjahr bis Herbst 1652, ein halbes Jahr
Auftraggeber
Graf Anton Günther von Oldenburg
Lohn
200 Reichstaler und freie Unterkunft im Schloss
Werke
neun Gemälde in 26 Wochen; danach ein Atelier im Schloss Ovelgönne
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
05ab etwa 1653

Dänemark

Rund achteinhalb Jahre lang ist Heimbach am Hof von König Frederik III. in Kopenhagen angestellt, vor allem als Genremaler. 1660 malt er die Erbhuldigung, ein weites Stadtbild, und zeigt sich selbst am Bildrand, wie er den Hut zieht.

Zeit
ab etwa 1653 bis 1662
Auftraggeber
König Frederik III. von Dänemark
Hauptwerk
Erbhuldigung, 1660, Schloss Rosenborg, 2,32 Meter breit
Gattungen
vor allem Genre, dazu Bildnis und Historie
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
061662 bis 1669

Oldenburg und Ovelgönne

Heimbach kehrt in die Heimat zurück und malt Graf Anton Günther, seinen alten Förderer. Ein Profilbildnis von etwa 1664 dient als Vorlage für oldenburgische Münzen. Eine neue feste Anstellung als Hofmaler ist nicht bekannt. Nach dem Tod des Grafen 1667 reist er noch einmal nach Kopenhagen, doch die erhoffte Stelle bleibt aus. 1669 ist er wieder in Ovelgönne.

Zeit
1662 bis mindestens 1669
Förderer
Graf Anton Günther; 1665 und 1666 zahlt die gräfliche Kasse unter anderem seine Hausmiete
Werke
Bildnisse und Miniatur des Grafen, um 1664; „Der Kranke“, 1669
Wohnort
1669 im Haus seines verstorbenen Vaters in Ovelgönne
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
07ab 1670

Münster

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen stellt ihn an: 250 Taler im Jahr, freie Wohnung, Leinwand und Rahmen. Heimbach malt Bildnisse des Bischofs, darunter ein Reiterbildnis, und arbeitet in Münster und Coesfeld.

Zeit
ab 1670, Anstellung belegt bis mindestens 1675
Auftraggeber
Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen
Orte
Münster und Coesfeld
Gehalt
250 Taler, später 200 Taler jährlich
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
081678 und 1679

Osnabrück

1678 porträtiert Heimbach in Osnabrück Georg Ludwig, den Sohn des dortigen Fürstbischofs. Ende April 1679 stirbt er in Osnabrück. Am 1. Mai wird er in der katholischen Pfarrei St. Johann beigesetzt.

Zeit
1678 bis 1679
Quelle
Kirchenbuch Osnabrück: Beisetzung am 1. Mai 1679
Erbe
sein Neffe Wolfgang Caesar, später Offizier in Münster
Luftlinie ab Ovelgönne
0 km
Station 1 von 7OvelgönneAusgangspunkt
Hinweise zur Karte

Schematische Darstellung auf der heutigen Karte. Küsten und Grenzen: Natural Earth (Public Domain). Die Entfernungen sind Luftlinien, von uns berechnet. Die Reihenfolge der Stationen ist nur dort belegt, wo Jahre genannt sind. Prag, Nürnberg, Brüssel, Florenz und Neapel sind als helle Punkte eingezeichnet.

Seine Kunst

Zwischen Hell und Dunkel

Heimbachs Bilder verbinden niederländischen Barock, italienische Malerei und den Caravaggismus. Zum Entdecken: ein gedeckter Tisch im Stil der Zeit, nachempfunden dem Mahlzeitstillleben von 1670. Leuchte ihn mit der Laterne ab, und wechsle zur reinen Hell-Dunkel-Ansicht.

Eigene Illustration, inspiriert vom „Mahlzeitstillleben mit Magd hinter einem Fenster“ (1670, Museumslandschaft Hessen Kassel): Römer mit Wein, Zinnkanne, Käse und Butter, Schinken, Zinnhumpen, Brot, Birnen, ein Teller mit Messer und ein Leinentuch auf rotem Tisch. Die Magd am Fenster lassen wir weg. Es ist nicht das Gemälde.

Einer der Einflüsse in Heimbachs Malerei. In den frühen 1630er Jahren wird er vermutlich in den Niederlanden weitergebildet, gefördert von Graf Anton Günther.

Heimbach arbeitet in Neapel, Rom und Florenz. Zu seinen Auftraggebern zählen die Medici, Fürst Piccolomini und Papst Innozenz X.

Das Landesmuseum nennt den Caravaggismus als Einfluss. Allgemein bekannt: Die Malerei in der Nachfolge Caravaggios setzt auf starke Hell-Dunkel-Kontraste. Licht fällt gezielt auf Figuren und Dinge, der Rest versinkt im Schatten. Probiere es links mit der Laterne aus.

Rund achteinhalb Jahre lang malt Heimbach für den dänischen König Frederik III. Bildnisse entstehen von Beginn an: 1636 das Porträt der Christina Graevaeus, 1660 sein Selbstbildnis, 1664 die Miniatur des Grafen Anton Günther.

Ein Tisch, als hätte jemand die Mahlzeit eben verlassen: Käse, Schinken, Brot, Birnen und Wein. Hinter einem zerbrochenen Fenster blickt eine Magd herein. 69,5 × 84,5 cm, Öl. Signiert in Coesfeld, 1670.

Farbwerkstatt

Wie entsteht Ölfarbe?

Zu Heimbachs Zeit gab es keine Farbtube, sie wurde erst im 19. Jahrhundert erfunden. Maler kauften Pigmente als Pulver und rieben sie mit Öl zu Farbe an. Greife ins Regal, stelle Deine eigene Ölfarbe her und male damit.

Allgemeine Angaben zu Pigmenten der Barockzeit. Nicht belegt ist, welche davon Wolfgang Heimbach verwendete. Bleiweiß und Zinnober sind giftig und werden heute nicht mehr wie früher eingesetzt.

Mitmachstation

Das Atelier

  1. Pigment aufschütten
  2. Leinöl zugeben
  3. Anreiben
  4. Malen
Wähle oben ein Pigment aus dem Regal.
Gewähltes PigmentOcker
0 %

Mit Maus oder Finger über die Platte kreisen. Der gläserne Läufer verreibt Pulver und Öl zu einer glatten Paste. Je feiner das Pigment gemahlen ist, desto reiner leuchtet die Farbe.

Vereinfachte Simulation. Das Anreiben mit Leinöl ist allgemeines Handwerkswissen, die Quelle dazu ergänzen wir noch.

Vier Werke

Seine Bilder auf Reisen

Wolfgang Heimbach reiste durch halb Europa, und seine Bilder taten es ihm gleich. Heute sind sie in großen Häusern sorgsam aufgehoben, und dafür sind wir dankbar. Wir besitzen kein Original, aber wir wissen, wo sie zu Hause sind. Hier hängen vier davon, mit Hinweisen, wo Du ihnen begegnest.

Die Bilder hängen hinter Vorhängen. Halte ein Bild gedrückt oder ziehe den Stoff zur Seite.

Alle Angaben nach den verlinkten Seiten der bewahrenden Häuser und dem Katalog zur Ausstellung 2022. Entfernungen sind Luftlinien von Ovelgönne.

Ein Maler für Fürsten, Könige und einen Papst.
Gehörlos im 17. Jahrhundert

Wie lebte und arbeitete er?

Zeitgenössische Quellen nennen Heimbach „taub und stumm“. Ob er von Geburt an gehörlos war, ist unklar. Möglicherweise hatte er ein Restgehör.

Das Landesmuseum Oldenburg hat 2022 in der Ausstellung „Wolfgang Heimbach – Ungehört“ gefragt, wie seine Gehörlosigkeit sein Leben und Arbeiten beeinflusste und wie seine Zeit mit Behinderung umging.

Die Reportage ansehen
Weiter entdecken

Tiefer in die Geschichte

Wolfgang Heimbach ist mehr, als eine Seite erzählen kann. Diese vier Angebote anderer Häuser führen Dich weiter, in der Reihenfolge, die wir empfehlen: vom Einstieg bis zum einzelnen Gemälde. Wir danken allen Häusern, die ihr Wissen so offen teilen.

Alle vier Seiten gehören den genannten Häusern und öffnen in einem neuen Tab. Die Inhalte wurden nach dem Stand unserer Recherche zusammengefasst.

Im Museum

Im Sängerzimmer erinnern wir an ihn

Wolfgang Heimbach gehört zu den Persönlichkeiten Ovelgönnes, an die unsere Dauerausstellung erinnert. Komm vorbei und entdecke das Sängerzimmer im Obergeschoss.

In Vorbereitung

Die Zedelius Schwestern

Die nächste digitale Station widmet sich den Schriftstellerinnen aus Ovelgönne, mit Büchern und Briefen aus unserer Sammlung.

Quellen und Bildnachweise

Alle Angaben dieser Seite beruhen auf den folgenden Quellen. Abbildungen von Gemälden zeigen wir nur mit Nennung des bewahrenden Hauses und der Fotografie. Die Rechte liegen bei den Museen und werden vor einer Veröffentlichung geklärt.

  1. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg: Ausstellung „Wolfgang Heimbach – Ungehört“, 21.05. bis 28.08.2022. landesmuseum-ol.de/ausstellungen/wolfgang-heimbach.html
  2. Landesmuseum Oldenburg: Die Heimbach-Story. landesmuseum-ol.de/digital-entdecken/die-heimbach-story.html. Selbstbildnis 1660: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Foto Hanna Neander (laut Dateiname).
  3. Rainer Stamm und Hermann Arnhold (Hrsg.): Wolfgang Heimbach. Katalog zur Ausstellung „Wolfgang Heimbach – Ungehört“, herausgegeben vom Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg und vom LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster. Dresden: Sandstein Verlag 2022, ISBN 978-3-95498-679-8, gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung. Quelle für Reisestationen, Auftraggeber, Vertrag von 1652, Aufenthalte in Dänemark und Münster sowie die Beisetzung am 1. Mai 1679. Dazu die Zeitleiste und Karte „Wolfgang Heimbachs Lebens- und Reisestationen“ aus demselben Katalog. Die Angaben sind von uns in eigenen Worten zusammengefasst.
  4. „Wolfgang Who?“ Pageflow-Reportage zur Ausstellung. wolfgangwho.pageflow.io. Lebensstationen, Auftraggeber und Beisetzung 1. Mai 1679.
  5. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: Objektkatalog, Wolfgang Heimbach, Kücheninterieur, Inv.-Nr. Gm1346. objektkatalog.gnm.de/objekt/Gm1346. Der Katalog nennt Lebensdaten „vor 1628 bis nach 1678“ und schreibt den Namen „Hembach“.
  6. Kücheninterieur, 1648: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Gm1346. Bildnachweis laut Bild: „© Germanisches Nationalmuseum, Foto: Monika Runge“. Auf der Katalogseite steht keine Lizenz, die Nutzung ist mit dem Museum zu klären.
  7. Selbstbildnis, 1660: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Inv.-Nr. 2037 LM, Online-Sammlung. Foto laut Bilddatei: © LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster / Hanna Neander. Auf der Seite steht keine Lizenz, die Nutzung ist mit dem Museum zu klären.
  8. Mahlzeitstillleben mit Magd hinter einem Fenster, 1670: Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.-Nr. GK 613a, Online-Datenbank. Bildnachweis laut Bild: „© Museumslandschaft Hessen Kassel“; die Seite nennt „© Hessen Kassel Heritage 2026“ und keine Lizenz. Das Covermotiv des Katalogs nennt als Foto „Ute Brunzel“. Die Nutzung ist mit dem Haus zu klären. Das Bild liegt nur in 560 Pixeln Breite vor und ist am unteren Rand beschnitten, um den eingebrannten Schriftstreifen auszublenden.
  9. Bildnis eines jungen Mannes, 1662: The National Gallery, London, NG1243, Objektseite. Das Bild ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 veröffentlicht. Wir nutzen es unverändert und ausschließlich nicht kommerziell. Bildnachweis: © The National Gallery, London; Photography and Imaging, The National Gallery, London.
  10. Karte: Heutige Küsten und Grenzen: Natural Earth, Public Domain. Entfernungen sind Luftlinien, von uns berechnet.
  11. Stilisiertes Portrait: Eigene grafische Bearbeitung (Linien-Gravur) nach dem Selbstbildnis von Wolfgang Heimbach, 1660, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster; Foto laut Landesmuseum Oldenburg: Hanna Neander. Herkunft und Rechte der Bildvorlage sind zu prüfen.
  12. Pigmente der Barockzeit, allgemein: Bleiweiß (Stack- oder niederländisches Verfahren, im Holland des 17. Jahrhunderts verbessert), z. B. Natural Pigments. Smalte (Kobaltglas), z. B. WebExhibits und National Gallery London. Erd- und weitere Pigmente: TU Wien, Vorlesung Pigmente. Zu prüfen: Zinnober, Siena, Anreiben mit Leinöl (allgemeines Wissen, Quelle fehlt noch).