Leitbild
1.
Aufgaben des Museums
Wir
verstehen uns als Archiv zur Geschichte des Handwerklichen,
das Zeugnisse des Alltagslebens sammelt, bewahrt und erschließt,
um sie zugänglich zu machen.
Neben diesen klassischen Aufgaben von Museen möchten wir
ein Forum für Austausch und Lernen im Wissen um den Alltag
bilden.
Je mehr
die Welt durch Vernetzung räumlich und zeitlich geschrumpft
erscheint, umso dichter wird die Erfahrung sozialer Lebensweisen.
Volkskunde, die Kunde vom Eigenen und Fremden im Eigenen, kann
längst nicht mehr nur der nostalgische Rückblick auf
vermeintlich idyllische Zeiten 'goldenen Handwerks’ sein.
Ebenso wenig können wir als lebendiges Museum nur den Blickwinkel
aus einer vermeintlich besseren Gegenwartskultur wahren.
Als Bildungsinstitution gilt es, Unterstützung bei der
Orientierung in und über komplexe Lebensverhältnisse(n)
der Moderne zu bieten.
Wir wollen im Blick auf Selbstverständlichkeiten Auseinandersetzungen
anregen und Horizonte öffnen.
2. Weiterentwicklung des Museums
Mit
der Übernahme der Museumsträgerschaft durch den Heimat-
und Kulturverein Ovelgönne e.V. begann im Jahre 2000 eine
neue Ära für unser Museum.
Zunächst wurden mit Beginn der Gebäudesanierung und
Errichtung eines neuen
Nebengebäudes notwendige Schritte zum Gebäude- und
Objektschutz eingeleitet.
Wissenschaftliche Aufarbeitung des Objektbestandes
(Erfassung, Inventarisierung, Magazinierung, Präsentation
und Forschung)
sowie seine Restaurierung sind vorrangige Aufgaben.
Neben fachgerechter Unterbringung und wissenschaftliche Erschließung
der Objekte, beginnen wir nun schrittweise mit der Einrichtung
und Gestaltung der Dauerausstellung.
Parallel dazu wird das Angebot für Besucher durch wechselnde
Sonderausstellungen, Vorführungen und museumspädagogische
Angebote sowie Publikationen verbessert. Dies geschieht im Rahmen
einer intensivierten Öffentlichkeitsarbeit.
In der Wechselwirkung verschiedener Spielorte werden Einzelaspekte
vertiefend dargestellt und z. B. über Publikationen für die
interessierte Öffentlichkeit wie die Forschung dauerhaft aufbereitet.
Diese Anlage ermöglicht zugleich eine reduzierte und konzentrierte
Form der Dauerausstellung.
Der
etwas zu großspurige Name Norddeutsches Handwerkermuseum
wurde durch die Bezeichnung Handwerksmuseum Ovelgönne ersetzt.
Der Begriff Handwerk umfasst beides, die Handwerker (ihre historischen
Organisationsweisen) und die Handwerkstechnik (ihre historischen
Entwicklungsweisen).
2.1.
Rahmenbedingungen
Das Ovelgönner Museum zählt zu den fünf Museen
in der Wesermarsch, die seit 1991 im Rahmen einer gemeinsamen
Museumskonzeption des Landkreises miteinander kooperieren.
Die Neukonzeptionierung des Handwerksmuseums orientiert sich
an dieser
Museumskonzeption des Landkreises Wesermarsch. In ihr wird dem
Ovelgönner
Museum mit der Behandlung des Handwerks (und Handels) ein regionaler
Themenschwerpunkt zugewiesen. Dieser Themenschwerpunkt wird
von keinem anderen Museum in der Wesermarsch vertreten.
Die vorhandene Sammlung des Museums deckt mit ca. 5.000 Objekten
diesen Themenbereich ab.
Die
Neukonzeption als Handwerksmuseum verfolgt die Entwicklung der
Einrichtung zu einem regionaltypischen Themenschwerpunkt sowie
einer verbesserten Präsentation im Sinne eines Museums.
Grundlage ist die bisherige Sammlung von Objekten aus den Bereichen
Handwerk und Gewerbe.
Als Standort für ein Handwerksmuseum zeichnet sich Ovelgönne
durch seine geschichtliche Entwicklung aus, die durch Handwerker
und Gewerbetreibende bis ins 19. Jahrhundert maßgebend geprägt
wurde. Die vorhandenen Quellen weisen für Ovelgönne in diesem
Zeitraum die höchste Handwerkerdichte bezogen auf das Gebiet
der heutigen Wesermarsch aus.
Die Öffnung des Themenschwerpunktes in Richtung Gestaltung
entspricht der Struktur des Objektbestandes, aktuellen Rezeptionsweisen
und Bedürfnissen der Museumsbesucher sowie einer engeren
Zusammenarbeit mit dem regionalen Handwerk. Hier liegt ein Potential
des Handwerksmuseums, das die Arbeit der übrigen Museen
fruchtbringend ergänzen kann. Es stellt zudem einen wichtigen
Anknüpfungspunkt dar, um die zukünftige Bewirtschaftung
des Museums zu sichern.
2.2. Regionaltypischer Themenschwerpunkt Handwerk und
Handel
Die Ausbildung eines regionalen Themenschwerpunktes Handwerk
ist in Ovelgönne nicht nur durch die Sammlung, sondern
auch durch die Lokalgeschichte gerechtfertigt.
Für Ovelgönne ist bis ins 19. Jahrhundert hinein die höchste
Handwerkerdichte für das Gebiet der heutigen Wesermarsch nachweisbar.
(Nach Oldenburg und Delmenhorst). Dies wird zum Anlaß genommen,
die historische Entwicklung des Handwerks am Beispiel der Ovelgönner
Verhältnisse darzustellen. Handwerk und Gewerbe spielten für
den sog. Flecken Ovelgönne eine wichtige Rolle und prägten die
Geschichte des Ortes nachhaltig. Als gebaute Geschichte ist
dies an der Architektur Ovelgönnes bis heute abzulesen.
In der Dauerausstellung wird so zugleich ein wichtiges Kapitel
der Regionalgeschichte aufgegriffen. Erst mit dem Aufstieg der
Städte Brake und Nordenham im 19. Jahrhundert rückte Ovelgönne
als Umschlagplatz für Handel und Gewerbe ins Abseits und verländlichte
zusehends.
Handwerk entwickelte sich nicht im luftleeren Raum, die jeweiligen
sozialen und historischen Gegebenheiten bestimmten Ausformung
und Bedeutung des Handwerks im lokalen und regionalen Kontext.
Dieser Tatsache sucht die Dauerausstellung von ihrer Anlage
her gerecht zu werden.
Sie wird am Beispiel des sog. Fleckens Ovelgönne aufzeigen,
unter welchen Voraussetzungen sich Handwerk im nichtstädtischen
Bereich entwickelte.
2.3.
Zum ländlichen Handwerk
Darüber hinaus ist es notwendig, den Begriff ländliches
Handwerk auf seine unterschiedlichen Bedeutungen hin zu klären.
Folgende Aspekte müssen berücksichtigt werden:
- Gerät und Werkzeug, d. h. Utensilien aus dem Umfeld bäuerlicher
Landbewirtschaftung und solche zur Herstellung von Gegenständen
für den Alltag der bäuerlichen Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert
hinein.
- Die Frage der handwerklichen Spezialisierung in diesem Bereich.
Vorreitergewerke (Schmied, Stellmacher, auch Müller) und
nachgeordnete Gewerke (z.B. Bäcker, Schlachter).
- Professionalisierung und Organisation des Handwerks seit dem
Mittelalter und dem zufolge die Verhältnismäßigkeit von ländlichen
und städtischem Handwerk (Zunft, Amt) sowie Legitimationsfragen
des Handwerkers im nichtstädtischen Bereich.
- Innovationsschübe und Phasenverschiebungen: welche Arbeiten
wurden vom Handwerk auf dem Lande wann ausgeführt? Propagierung
des ländlichen Handwerkers nach 1800.
3.
Museum als Bildungsinstitution
Das
Handwerksmuseum ist Mitglied im Bildungsnetzwerk Wesermarsch.
Als Bildungsinstitution ist es ein wichtiger Dienstleistungsunternehmen
für Gemeinde und Landkreis.
Museen sind Standortfaktoren zur Sicherung von Lebensqualität
für Bewohner wie Gäste.
3.1.
Lernort Museum
Lernen ist zum Schlüsselwort in einer von Wandel geprägten
Welt geworden.
Die Stärke von Museen liegt darin, Lernprozesse auf sinnliche
und lebendige Art zu ermöglichen:
Betrachten, Erfassen, Begreifen, Vergleichen und Umsetzen können
im Umgang mit Materialien und Objekten verbunden werden.
Neben der Stärkung von forschendem Lernen geht es aber
darum,
die Lust zu Lernen überhaupt zu wecken und zu fördern.
Als außerschulischer Lernort kann das Museum die Arbeit
der anderen Bildungsinstitutionen fruchtbringend ergänzen.
3.2.
Kooperationen
Grundlage der Konzeption ist ein Profil, welches das Museum
zur Kooperation prädestiniert. Angesichts einiger Lücken im
Objektbestand wird es selbst auf Kooperation mit anderen Sammlungen
und Sammlern angewiesen sein. Für die Sonderausstellungen ist
eine derartige Kooperation Programm: Das Museum als ‚abgeschlossene
Institution’ ist im Kontext von Globalisierung (die alte
Funktion: Versäulung einer nationalen Geschichte befindet sich
in Auflösung) und vor dem Hintergrund der Individualisierung
(neue Sammlerbewegungen - Sammeln im privaten Kontext) eine
überlebte Erscheinung. Transparenz und Austausch sind die neuen
Schlüsselbegriffe. Angestrebt wird die Zusammenarbeit mit anderen
Institutionen auf vielfältigen Ebenen, angefangen von der Kooperation
mit einem Patchworkclub bis hin zu Themenausstellungen in Zusammenarbeit
mit anderen Museen.
Grundlagen für wichtige Kooperationen konnten u.a. in Zusammenarbeit
mit dem Bildungsnetzwerk
Wesermarsch (BiNe), der Kreishandwerkerschaft
Wesermarsch, einzelnen Museen (Schlossmuseum
Jever – Nordwestdeutsches
Schulmuseum Zetel-Bohlenbergerfeld, Landschaftsmuseum
Unewatt), dem Landkreis
Wesermarsch (Frauenbeauftragte des Landkreises), der Wirtschaftsförderung
(Projekt Kultursommer), der Gemeinde
und Agendagruppe Ovelgönne (Moor und Tourismus) gelegt werden.
(Bitte
beachten Sie: Bei den vorherigen Links handelt es sich jeweils
um externe Links. Diese liegen somit nicht mehr in unserem
Verantwortungsbereich (§ 4 Abs. 3 Teledienstedatenschutzgesetz
(TDDSG), § 13 Abs. 3 Mediendienste-Staatsvertrag (MDStV)).
3.3.
Zukunftsträchtiges
Zur Sicherung der Betriebsfähigkeit nach Abschluß
der Umbau- und Einrichtungsphase sind Kooperationen, speziell
im Bildungsbereich, für den Bestand des Museums unerlässlich.
Das enthebt nicht von weiteren Anstrengungen bei der Schaffung
von Eigeneinnahmen.
Neben Zusammenarbeit in den bereits genannten Bereichen ist
die Ausbildung eines Kompetenzzentrums Handwerk in Zusammenarbeit
mit überregionalen Bildungsträgern und Institutionen
des Handwerks geplant.